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Paul Schreckenbach: Um die Wartburg
Paul Schreckenbach: Um die Wartburg 12,90 EUR
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Art.Nr.: 9783869398815
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Paul Schreckenbach: Um die Wartburg

Ein scharfer Morgenwind strich durch das breite Tal der Saale, über dessen dichten, wallenden Nebelschleiern die Türme und Dächer der Stadt Weißenfels emporragten. Die Tore waren geschlossen, denn die wehrhaften Bürger lagen noch im besten Schlummer, aber das laute Krähen der Hähne kündete schon den jungen Tag, und ein rosenroter Schein über der Hügelkette im Osten zeigte die Stelle an, wo in Kürze die Sonne ihren Lauf beginnen wollte.

 

Um diese Stunde kamen zwei Männer den breiten Pfad herabgeritten, der von der Burg Werben zu Tal führte. Sie trugen beide Panzer und Schwert, aber im übrigen hatten sie sich's bequem gemacht. Die Lanzen und die schweren Topfhelme waren zwei berittenen Knechten anvertraut, die in eines Speerwurfs Entfernung folgten. Die Herren selbst hatten nur kleine, zierlich gestickte Lederkappen zum Schutze gegen die Morgenkühle auf ihre Häupter gestülpt. Unter der einen dieser Kappen schimmerte schneeweißes Haar hervor, die andere bändigte mühsam eine ungewöhnliche Fülle goldblonder Locken.

 

Der Ältere der beiden Ritter gähnte mehrmals aus tiefster Brust. Er legte sich dabei nicht den geringsten Zwang auf, es klang zuletzt wie das sanfte Heulen und Brummen eines Bären. Dann wandte er dem neben ihm Reitenden sein bartloses, gutmütiges Antlitz zu und sagte halb scherzend, halb verdrießlich: »Ihr gehört zu einer Zunft, Märten Helldorf, die mir ganz unleidlich ist, Ihr seid ein Frühaufsteher. Bei Sankt Niklas, das hat Euch der Teufel geheißen, dass Ihr mich vor Sonnenaufgang aus den Federn aufstörtet! Den ganzen Tag werden das meine alten Knochen spüren, denn sie sind dessen seit Jahren nicht gewohnt.« Es folgte ein neues, noch gewaltigeres Gähnen.

Der junge Ritter lachte. »Es wird so bald nicht wieder vorkommen, Heinz Gartolf«, erwiderte er, seinen langen rötlichen Schnurrbart zwirbelnd. »Aber, sagt selbst: Was wollt' ich machen? Ich komme gestern Abend von Pforta, wo meine edle Frau auf der Reise nächtigt, vor das Tor des Klarenklosters und will melden, dass meine Herrin, die Markgräfin Else, heute heranreitet, das Kloster zu besuchen. Da lassen mir die Unken vom Tor aus zuschreien: ›Nach Untergang der Sonne kommt kein Mannsbild mehr ins Kloster!‹ Und das Fenster wird zugeschlagen, und ich stehe da, und wie ich auch fluche, kein Mensch kümmert sich um mich. So musste ich auf Eurer Burg nächtigen und sobald es anging, wieder nach dem Kloster reiten, denn die gnädige Frau steht mit der Sonne auf, und in wenigen Stunden wird sie da sein.«



Diesen Artikel haben wir am Montag, 17. August 2009 in unseren Katalog aufgenommen.


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