Auf den Spuren der Karriere des Dieter Althaus
Der schwere Skiunfall vom 1. Januar 2009 in Österreich, bei dem durch seine Schuld eine Frau ums Leben kam, katapultierte Thüringens Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU) bundesweit ins Interesse von Medien und Öffentlichkeit. Doch nicht nur seine Bekanntheit stieg, auch eine überraschende und angesichts der Ereignisse zweifelhafte Popularität entwickelte sich. Noch Ende 2008 galt der Politiker dagegen wegen etlicher grober Pannen in seiner Regierungsarbeit als verbraucht, der von ihm geführten CDU Thüringen wurde für die Landtagswahlen im August 2009 eine Niederlage vorhergesagt. Inzwischen scheint alles wieder offen zu sein, eine erneute Amtsübernahme als Ministerpräsident ist durchaus möglich.
Das Buch rekonstruiert vor allem die politische Biographie von Althaus (Schulrat, Abgeordneter, Minister, Fraktionsvorsitzender, Ministerpräsident), wobei als inhaltliche Klammer eine Reihe von weit über die Grenzen Thüringens wahrgenommenen Skandalen ausgewählt wurde. Dabei handelt es sich um die Debatte zur Rolle von Althaus in der DDR, von ihm selbst immer wieder verschleiert, die im Buch als klassische Karriere detailliert dargestellt wird. Außerdem geht es um die aktive Unterstützung von Althaus für christliche Eiferer in der Grauzone zum Fundamentalismus, darunter seine Einladung an einen namhaften Kreationisten, der die biblische Schöpfungslehre als angebliche Alternative zu naturwissenschaftlichen Evolutionstheorien Anfang 2006 im „Erfurter Dialog“ der Thüringer Staatskanzlei darstellen sollte. Schließlich wird der gescheiterte Versuch von Althaus im Frühjahr 2008 beleuchtet, den CDU-Rechtsaußen Peter Krause, mehrjährig Autor der einschlägig bekannten Postille „Junge Freiheit“, zum Kultusminister zu machen. Das Buch endet mit der Verurteilung von Althaus wegen fahrlässiger Tötung und dem dubiosen Umgang des Politikers mit dem Skiunfall („Verantwortung, aber keine Schuld“).
Der Autor, der sich seit Jahren publizistisch mit Althaus beschäftigt hat, konnte auf schwer zugängliche, teils exklusive Unterlagen zu dessen DDR-Karriere zurückgreifen. Er hat zudem 2008 die Mitarbeit von Peter Krause bei einem weiteren Publikationsorgan der Neuen Rechten mit einem Zeitungsbericht öffentlich gemacht.
Unser Autor Stefan Wogawa (geboren 1967) ist Soziologe und Wissenschaftshistoriker, seit 1997 in der Politikberatung und als freier Publizist tätig. Er ist ein profunder Kenner der Thüringer Landespolitik, zu der er zahlreiche Artikel in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht hat. Im Dezember 2007 ist das von ihm verfasste Sachbuch „Die Akte Ramelow. Ein Abgeordneter im Visier der Geheimdienste“ (mit vielfältigem Thüringenbezug) in Berlin erschienen.